Godotkritzel
Linda Eich

↦  Film, 6.10 Min.
↦  Betreut von Prof. Stephan Sachs ↦  Semesterarbeit B. A. 2018

Es wird ein Text verbildlicht, der nicht zu verbildlichen ist. Und trotzdem geschieht es. Der bekannte Monolog des Lucky aus »Warten auf Godot« von Samuel Beckett könnte kaum weniger greifbar erscheinen. Doch die graphische Linie sucht zwanghaft eine Annäherung. Sie sucht und sucht und sucht und je mehr sie sucht, desto weniger findet sie. Das Wort und das Bild sind zwei verschiedene Zeichensysteme, die nie ganz deckungsgleich ineinander überführt werden können. Die Suche muss also scheitern. Aber genau dieses Scheitern wird dankbar in Empfang genommen. Die Geschwindigkeit verändert sich und manche Elemente wiederholen sich. Die zeichnende Hand verschmilzt mit der Zeichnung, welche wiederum zur Grundlage des weiteren Zeichnens wird. Das Bild dreht sich und plötzlich sieht sich der Zeichnende mit der Frage konfrontiert: 

»Warte ich gerade auf Godot?« Eine Handlung, die ihr Ziel nicht erreichen kann, erscheint sinnlos. Aber genau diese Sinnlosigkeit gilt es zu zelebrieren und zu genießen. Ein Verbleiben im sinnbefreiten Zustand ist wie das Warten auf Godot. 

»Komm, wir gehen.« 

»Wir können nicht.« 

»Warum nicht?« 

»Wir warten auf Godot.« 

»Ach ja.«

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