Myco
Marian Kritzky

↦  Pilzkern mit integriertem Sensor zur mycologischen Bodensanierung
↦  Betreut von Prof. Detlef Rhein ↦  Semesterarbeit M. A. 2017/18

Von insgesamt ca. 1,5 Millionen Pilzarten auf der Erde sind gerade einmal 80.000 Arten erforscht. Bei diesen Arten ist bereits Erstaunliches festzustellen. Unter anderem können einige Pilze Kohlenwasserstoff-Verbindungen zersetzen, die für die restliche Umwelt schädlich sind. Diese Verbindungen zersetzt der Pilz mit seinen Enzymen in ihre Bestandteile, nutzt einen Teil als Nahrung und lässt den anderen Teil als Nährstoffe für Pflanzen unschädlich im Boden zurück. Diese Eigenschaft ist besonders interessant, um vom Menschen verseuchte Böden zu reinigen. Hier setzt dieses Semesterprojekt an. Als Ausgangspunkt dienten hierbei die mit alten Kampfmittelrückständen verseuchten Böden in Deutschland, die nur schwer zugänglich sind und nicht mit großen Baugeräten befahren werden können. 

»Myco« ist ein mit Myzel bewachsener Stab, der in den Boden eingesetzt wird. Von diesem Myzel-Kern aus wächst der Pilz weiter und reinigt so den Boden von schädlichen organischen Giftstoffen. Der Stab wird vor dem Einsatz in den Boden mit einem festen Geflecht aus Myzel bewachsen. Somit lassen sich verschiedene Pilzsorten genau nach Bedarf vermischen und können den geographischen und geologischen Begebenheiten des zu reinigenden Habitats angepasst werden. Zusätzlich zum Myzel-Kern befindet sich in dem Stab eine Messeinheit, die bei Bedarf aktiviert werden kann, um im Anschluss wichtige Daten zur Beschaffenheit des Bodens zu senden. 

Mit »Myco« hat man die Möglichkeit, Böden zu reinigen, die mit großen Geräten nicht gut zugänglich sind. Um das Gelände für die »Impfung« vorzubereiten, werden als erstes Proben entnommen und die genaue Größe der zu reinigenden Fläche markiert. Anschließend können die geeigneten Pilzarten bestimmt und vorgezüchtet werden, während das Gelände in ein Raster unterteilt wird. Anhand dieses Rasters lässt sich die Anzahl der benötigten Pilzstäbe bestimmen und im Anschluss in die vorgebohrten Löcher einsetzen.

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