Remainder
Nina Kersten, Berit Reutershan, Anne Lamprecht, Nadine Niedereichholz, Janieke Bekasinski

↦  Interpretation des Films »Remainder« von Omer Fast zu einem Theaterstück
↦  Betreut von Prof. Manfred Schulz ↦  Semesterarbeit M. A. 2018

Die Arbeit von Nina Kersten, Berit Reutershan und Anne Lamprecht ist von Goethes Drama »Faust« inspiriert. Der Protagonist des Films, Tom, versucht seine durch einen Unfall verlorengegangene Erinnerung wiederzuerlangen. Mephisto will ihm dabei helfen. Tom bemerkt jedoch viel zu spät, dass er nicht mehr sein eigener Meister ist, sondern nur eine Marionette Mephistos. Denn dieser stellt Tom auf die Probe und treibt ihn — wie in einem Spiel — dazu an, seiner humanistischen Seele abtrünnig zu werden, um sie letztendlich als Baustein einer neuen Gesellschaft nutzen zu können. Das minimalistische Bühnenbild besteht aus einer Hinterbühne und einem Steg, der in den Publikumsbereich führt. Mobile Module und lichtdurchlässige Projektionsflächen bilden eine spannende Verbindung zwischen den statischen und wandelbaren Elementen der Bühne. Unterstützt von der gezielten Anwendung von Klang und Licht, nimmt die Geschichte ihren Lauf und findet ihr Ende in der symbolischen Kulisse eines Schachbretts als endgültige Lösung. 

In dem Theaterstück »Simulacrum« von Nadine Niedereichholz und Janieke Bekasinski werden zentrale Motive aus dem Film, wie die Unendlichkeitsschleife, die Rekonstruktion verloren gegangener Erinnerung und die seelische Zerrissenheit des Protagonisten aufgegriffen und neu interpretiert. Zwei vorerst verborgene Netze werden mit fortlaufendem Spiel durch steigende Zugspannung und Projektionen zu einer immer einnehmenderen kinetischen Skulptur. Ein System aus Winden und Schienen verformt die beiden miteinander tanzenden Flächen und erinnern an eine neuronale Struktur, die sich analog Toms Erinnerung regeneriert. Gleichzeitig wirkt sie auf den Betrachter wie ein fremdes mechanisches Wesen, das sich den Theaterraum immer weiter erobert. Tom merkt nicht, dass er die Kontrolle über seine Vergangenheit nicht übernehmen kann. Er verfällt dem trügerischen Schein des Simulacrums, dem Traumbild in seinem Kopf, das die Grenzen von Realität, Erinnerung und Fantasie verschwinden lässt.

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