sutētomento — das verschiebbare Fenster
Isabell Stöcker

↦  Modell, Recherche zum Thema »Shifting Boundaries«
↦  Betreut von Prof. Christian Teckert, Prof. Manfred Schulz, Prof. Detlef Rhein ↦  Semesterarbeit M. A. 2017, Japan Seminar

In Japan nehmen Bewohner den öffentlichen Raum ein, subtil und leise. Ihr Werkzeug sind potgardens, bepflanzte Blumenkübel. Zum Teil findet man sie nur auf dem Grundstück, aber an vielen Stellen wird öffentlicher Raum bewusst okkupiert und zurückerobert. Gleichzeitig geben die Städter in Japan mit ihrer feinen Methode viel Spielraum zur Interpretation über ihre Persönlichkeit. Die Frage nach dem Mensch hinter dem potgarden wird größer. 

Wer pflegt seine Blumen so sehr und ordnet die Töpfe nach Größe an? Welche Person lässt ihre Pflanzen verkümmern und belässt alles wie es ist? Die kleinen Gärten können als Statement interpretiert werden. Jeder Mensch gibt etwas durch die Art und Weise seines Umgangs mit den Pflanzen über sich preis. Wie stellen sich europäische Städter dar und können sie öffentlichen Raum so leicht wie in Japan einnehmen? 

In einem Mietshaus ist die japanische Methode der Okkupation durch Pflanzen schwer vorstellbar. Die Schnittstelle zwischen öffentlichem und privatem Raum ist primär der Eingang und die Fenster in den Wohnungen. Sie sind die Verbindung zwischen Innen und Außen und können durch Rollos und Vorhänge die Grenze zwischen Öffentlich und Privat verstärken. Andererseits wird das Fensterbrett gerne als Präsentationsfläche, Sitzmöglichkeit oder Ablageort verwendet. Das Fenster wird unter diesem Aspekt zum Display. 

Durch »sutētomento« können Städter einen neuen Raum zwischen Innen und Außen schaffen. Spiegelungen sorgen zudem für ein neues Bild im Innenraum, in den die Stadt einzieht. Die Grenzen verschwimmen und ein Raum zwischen Öffentlich und Privat kann ganz nach Belieben des Bewohners bespielt werden. Ob als Ort für Trophäen, Minibar, oder Sitzgelegenheit, als Statement- oder Ausstellungsfläche. »Sutētomento« schafft neue Räume und bietet den Fußgängern auf der Straße Interpretationsspielraum und so viel Einblick, wie die Bewohner bereit sind zu gewähren.

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