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Anne-Fleur Ising

↦  Eine optische Täuschung inszenieren
↦  Betreut von Prof. Manfred Schulz ↦  Semesterarbeit B. A. 2018

Schrumpfungsprozesse, ökonomische Engpässe und der Strukturwandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft führen immer häufiger zu einem Überangebot an Flächen ohne nachhaltige Nutzungsperspektive. Sie verlieren an Funktion und werden eine Narbe der Stadt. Durch die Reaktivierung und temporäre Gestaltung von Brach- und Freiflächen kann ein Wandel entstehen, sodass Flächen wieder eine Funktion erhalten und ein Teil der Stadtentwicklung werden. 

Dieses Thema der Wiederverwendung von Stadträumen wird im fünften Semester von Anne-Fleur Ising in zwei Installationen reaktiviert, in dem ihre visuelle Außenwirkung im Stadtraum gezielt verändert wird, sodass die Qualität der Orte neu definiert werden kann. Diese Wahrnehmungsveränderung wird durch Installationen im Sandkrug Bunker und Kai-City im Stadtraum Kiel dargestellt. Diese Stadträume werden mit etwas Unschönem assoziiert, daher eher gemieden oder vergessen. Trotzdem sind sie existent und verweisen auf den städtischen Prozess. Sie wecken in unserem Gedächtnis nicht nur Erinnerungen, sie sind selbst ein »Gedächtnis«. Genauer: Sie stellen eine materielle Gedächtniskomponente dar. Vergessenes, verdrängtes oder verleugnetes Wahrnehmungswissen der Stadtbewohner, wird durch die zwei Installtionen wieder hervorgehoben, sodass diese Räume wieder als Vergangenes bewusst werden und verlorene Bedeutungen zurückgewinnen. 

Dieser »Urbane Wandel«, der in der Gestaltung archiviert ist, muss für den Stadtbewohner leserlich gemacht werden, sodass ein Verständnis entsteht zwischen existierender Umwelt / Gebäude und um den Stadtentwicklungsprozess der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verstehen zu können. Denn man kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht planen, wenn man die Vergangenheit nicht kennt.

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